100 Jahre Handball in Müllrose - MOZ Teil 1

Schülerabteilung Verein "Turnvater Jahn" Müllrose - 1927

Vor 87 Jahren: die 1. Männermannschaft des Turnvereins „Vater Jahn“ Müllrose im Jahr 1934 (Repro) © Foto: HSG Schlaubetal/Wilfried Hohmann

Vor 87 Jahren: die 1. Männermannschaft des Turnvereins „Vater Jahn“ Müllrose im Jahr 1934 (Repro) © Foto: HSG Schlaubetal/Wilfried Hohmann

MOZ- Artikel 06.08.2021(Original)

100 Jahre Handball in Müllrose

Von W. Hohmann

Ursprünglich wollten die Handballer der HSG Schlaubetal-Odervorland in diesem Jahr (2021) das 100-jährige Bestehen des Handballs in Müllrose gemeinsam mit ihren Fans, den Sponsoren und der Bevölkerung bestehen. Geplant waren unter anderem Ausstellungen, Freundschaftsspiele, eine feierliche Festveranstaltung, die Erstellung einer Chronik und vieles andere. Eigens dazu wurde für die Planung und Organisation und Leitung des Präsidenten der HSG eine Arbeitsgruppe mit vielen älteren und jüngeren „Handballenthusiasten“ gebildet. Leider hat die „Corona- Pandemie“ auch diesem Ereignis einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Aus diesem Grund hat sich die Arbeitsgruppe darauf verständigt, die Begehung des Jubiläums auf die Zeit nach der Pandemie, wann immer das auch sein mag, zu verschieben.

Dennoch wollen wir als Tageszeitung der Region dieses Ereignis zum Anlass nehmen, um unseren Lesern die Historie des Handballs in Müllrose in einer losen Reihe von Fortsetzungen von der Geburtsstunde des Handballs an bis zur Gegenwart nahe zu bringen.

Beginnen wollen wir dabei mit einem Exkurs in die Vergangenheit, denn viele wissen heute gar nicht mehr, wie die Sportart Handball eigentlich entstanden ist. Als Erfinder in Deutschland gilt der Berliner Oberturnrat Max Heiser, der 1917 das Spiel „Torball“ erfand, das ursprünglich nur für Frauen und ohne jeglichen Körperkontakt gedacht war. Zwei Jahre später entwickelte der Berliner Turnlehrer Carl Schelenz 1919 Heisers Spiel weiter und machte es auch für Jungen und Männer attraktiv, indem er Zweikämpfe erlaubte, das Prellen und die 3 Schritt- Regel einführte, den Ball verkleinerte sowie das Werfen in den Vordergrund stellte. Spielfeld, Mannschaftsgröße und Schiedsrichter übernahm er vom Fußball, was die Ausführung der Sportart durch die Nutzung bereits vorhandener Spielflächennatürlich erheblich vereinfachte. Damit war der „Feldhandball“ in Deutschland gegründet und einen trat einen rasanten Siegeszug durch ganz Deutschland an. Vor allem waren es Turnvereine, aus denen sich vielfach die ersten Handballmannschaften rekrutierten. Vermutlich deshalb, weil der Handball notwendige Tugenden des Turnens, wie Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft in sich vereinigte. Zudem war es vermutlich attraktiv, sich im Gegensatz zum Turnen auch als Mannschaft präsentieren zu können.

Aber wie kommen die Müllroser Handballer darauf, dass bereits 1921 in Müllrose Handball gespielt wurde?

Dies begründet sich darauf, dass entsprechend der Chronik zum 750- jährigen Bestehens der Stadt Müllrose 1921 als das Jahr benannt wurde, in dem erstmals ein Handballspiel in Müllrose in Verbindung mit dem damaligen Müllroser „Turnverein Vater Jahn“ stattfand. Und zwar im Zusammenhang mit dem „Gauturnfest 1921“, das im Juli 1921 in Müllrose stattfand und an dem 26 Vereine mit etwa 1000 Sportlerinnen und Sportlern teilnahmen. Zum damaligen „Gau Lebus“ gehörten unter anderem auch die heutigen Städte Frankfurt (Oder), Fürstenwalde/Spree, Müncheberg und Wriezen. Gegen wen damals gespielt wurde ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Zum einen war die Sportart Handball damals nur eine „Randsportart“ und zum anderen waren die Medien zur damaligen Zeit bei weitem nicht so präsent wie heute. Hinzu kommt, dass viele Archive und andere Nachweise während des 2. Weltkrieges verloren gingen und Zeitzeugen heute nicht mehr am Leben sind. Es gibt aus den Nachlässen alter Müllroser Handballer noch einige Dokumente, die das „Handballspielen“ in Müllrose aus der damaligen Zeit noch belegen. So gibt es Ein Foto der Schüler des Turnvereins „Vater Jahn“ Müllrose aus dem Jahr 1927, die als Schülermannschaft Feldhandball gespielt haben. (siehe Foto 1). Aus dem Jahr 1934 stammt ein Foto der 1. Männermannschaft mit bereits verstorbenen oder im 2. Weltkrieg gefallenen Spielern. (siehe Foto 2). Aus dem Jahr 1936 stammt eine Aufnahme der 1. Männermannschaft aus dem Jahr 1936. (siehe Foto 3).

Es gibt aus der Zeit vor 1945 jedoch keine weiteren Belege darüber, ob Müllroser Handballmannschaften an regulären Spielbetrieben teilnahmen oder welche freundschaftlichen Vergleiche mit anderen Vereinen aus der Region durchgeführt wurden. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 mussten viele Vereine umbenannt werden. Der bürgerliche „Turnverein Vater Jahn“ konnte seinen Namen jedoch bis zur Beendigung des 2. Weltkrieges beibehalten.

In der kommenden Folge unserer Serie über den Handball in Müllrose werden wir uns mit der Zeit nach dem 2. Weltkrieg beschäftigen.

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